Station 7: Die Saalfelder Lieden

Unter solchen Bögen waren mal kleine Verkaufsstände. Erst später wurden darüber Häuser errichtet, im Erdgeschoss mit Läden, oben mit Wohnungen der Ladenbesitzer.

Der Name „Lieden“ leitet sich von Läden ab. Er wird bereits seit dem Mittelalter verwendet, war aber nie eine echte Straßenbezeichnung. Die ersten Buden wurden am Abend durch Fensterläden geschlossen. Damals hießen sie „Schrotliden“ – eine Bezeichnung für Fensterläden aus gesägten Holzstücken.

Vom Stand zum Laden

Als Brot-, Fleisch- und Schuhbänke wird diese Ladenzeile schon im ersten Saalfelder Stadtrecht aus dem frühen 14. Jahrhundert erwähnt. Die Stadt vermietete sie an die Handwerker.

Bäcker und Fleischer sind die ältesten Gewerke in Saalfeld. Das geht aus Urkunden von 1389 hervor. Die Bäcker durften mittwochs und samstags backen und ihre Waren – außer im eigenen Haus – am nächsten Tag unter den Lieden anbieten. Auch für Fleischer galten besondere „Fleischtage“. Die Zünfte hatten selbst auf den ordnungsgemäßen Verkauf, die Preise und Gewichte zu achten.

Im Laufe der Zeit zogen in den Läden andere Handwerker ein. Die Brot- und Semmelbänke wurden 1620 an die gegenüberliegende Marktseite neben das Rathaus verlegt und blieben dort bis 1900. Die Fleischbänke kamen in die obere Saalstraße.

Neubau im 19. Jahrhundert

Schon im 16. Jahrhundert waren die Häuser der Lieden, die heute ohne Arkaden sind, umgebaut worden. Sie haben sich teilweise bis in die Gegenwart so erhalten.

Die anderen sechs Fachwerkhäuser über den Bögen waren baufällig, sie wurden 1845 abgerissen. Beim Wiederaufbau wurden die Arkaden höher angelegt und die Häuser im klassizistischen Stil errichtet.

Der Fischmarkt

Auf dem Platz neben den Lieden lagen die Fischbänke, die Verkaufsstände der Saalefischer. Sie wurden 1468 erstmals an dieser Stelle erwähnt. Um diese Zeit wurden die Saalfische in das Stadtwappen aufgenommen.

Bis heute heißt der Platz Fischmarkt. Seit 1346 besaß Saalfeld auf rund 20 Flusskilometern das Fischereirecht. Jährlich verpflichtete die Stadt 100 bis 200 Fischer aus Saalfeld und den Dörfern saaleauf- und -abwärts.

Das historische Gebäude am Fischmarkt, die heutige Marktapotheke, war damals eines der Rathäuser und zugleich Kaufhaus. Handwerker und Händler konnten hier und im Haus nebenan an Markttagen Stände mieten.