Station 29: Park und Villa Bergfried

Was fast wie ein Palast aussieht, ist ein Einfamilienhaus.

Die Schokoladenfabrik „Mauxion“ von Ernst Hüther war damals eine der größten in Deutschland. Viele Saalfelder arbeiteten für Hüther. Sie waren stolz, „Mauxianer“ zu sein, denn sie verdienten gut, wohnten häufig in Werks- wohnungen, gingen gemeinsam ins Theater, konnten einen Kindergarten und Urlaubsheime nutzen. Aus den Anfangsbuchstaben seines Namens E und H fügte Ernst Hüther ein Turmzeichen zusammen: die Marke für seinen Familiensitz „Bergfried“ und für die Schokolade aus seiner Fabrik.

Ein Herrensitz im Herzen Thüringens
Diese prachtvolle Villa und den großen Park ließ der Schoko­ladenfabrikant Ernst Hüther vor etwa 100 Jahren für sich und seine Familie errichten. Schon beim Bau der Villa und beim Anlegen achtete er darauf, dass sich alles ergänzte und zusammenpasste: Er verwendete vor allem Materialien aus der Region, die Wohnräume öffneten sich in den Garten, Wasser kam aus eigenen Quellen, die Versorgung wurde durch Gärtnereien und einen Gutshof unterstützt. Manchmal waren seine Pläne aber größer als sein Geldbeutel.

Ein Paradies für Kinder
Als die Familie Hüther in die Villa Bergfried einzog, waren die vier Kinder Gerd, Luise Charlotte, Ilse und Werner sieben bis 15 Jahre alt. Zwar hatte jedes der Kinder in dem weitläufigen Haus nur kleines eigenes Kinderzimmer, jedoch konnten sie unter dem Dach auf zwei Etagen spielen, Sport treiben, Theater aufführen, Kinofilme schauen. Im Keller gab es einen Sportraum und ein Schwimmbad.

Auch andere Kinder lebten hier – in den Familien von Angestellten. Sie wohnten entweder im „Talfried“, dem kleinen Gärtnerhaus am unteren Parkeingang, oder im „Torfried“ weiter oben.

Der Park als Spielwiese
Zu den Spielgefährten der Kinder gehörten Pferde, Esel und Hunde. Sogar zwei Bären lebten in einem eigenen Zwinger. Es gab auch einen Hirschgarten und Käfige mit Schlangen, Vögeln und Affen. Im Hof, nahe am Glockenturm, hatten die Hüther-Kinder einen eigenen Spielplatz. Außerdem konnten sie Tennis und Golf spielen. Im Winter wurde aus dem Tennisplatz eine Eisbahn.