Station 26: Am Saalfelder Schießteich

Die Heimatstadt zu verteidigen, war im Mittelalter ein Bürgerrecht und zugleich Bürgerpflicht. Der adlige Landesherr gewährte dazu den Saalfeldern das Recht, Waffen aller Art zu tragen, mit ihnen zu üben und Wettkämpfe zu veranstalten. Alle wehrpflichtigen Männer hatten sich zu bewaffnen – mit Armbrüsten, Büchsen und Flinten, Spießen und Hellebarden, Degen und Dreschflegeln, Äxten und eisernen Ketten. Auch für Pulver und Wagen für den Transport mussten sie sorgen. Außerdem konnte der Landesvater sie zu Kriegsdiensten verpflichten und zur Bekämpfung von Straßenräubern heranziehen. Prominente Reisende durch das Amtsgebiet von Saalfeld zu geleiten, zählte ebenfalls zu den Aufgaben der Bürgerwehr.

Ein Turm für Pulver und Blei
Bereits im 13. Jahrhundert hatte die Saalfelder Stadtmauer den noch heute sichtbaren Verlauf. Dazu gehörte der Pulverturm, von der Stadt aus gesehen rechts vom Blankenburger Tor. Auf der anderen Seite lag der Schützenturm, in dem auch der Schützenmeister wohnte. Vor der Mauer waren zwei Teiche angestaut – als Lösch-wasser für die Stadt. Erst Ende des 19. Jahrhunderts wurden diese Teiche mit einer Ausdehnung über den heutigen Parkplatz hinaus zugeschüttet.

Ein Platz für Schützenfeste
Gemeinsame Übungen der sogenannten „Defensionswehr“ stärkten die Verteidigungsbereitschaft. Daraus ging die Schützengilde hervor. Diese erprobte ihr Können in der Nähe des Schützenturms – am vorderen Lösch-wasserteich, der daher seinen Namen Schießteich bekam. Auch Wettkämpfe mit den Bürgerwehren umliegender Städte wurden hier ausgetragen.

Ein erstes Schießhaus
Doch schon 1534 stand an dieser Stelle ein richtiges Schießhaus, das keine hundert Jahre später durch ein neues ersetzt wurde. Weil sich die Stadt über ihre Mauern ausdehnte, wurde es zum Wohnhaus. Als die Stadtmauer an dieser Stelle einem Straßendurchbruch weichen musste, wurde es 1892 abgerissen.

Ein Privileg für die Schützen
Die Schützen zogen Mitte des 18. Jahrhunderts um an den Weidig in der Saaleaue, wo bereits seit 1709 das jährliche Vogelschießen stattfand. Hier errichteten sie ein neues Schießhaus. Aus dieser Zeit stammt das Privileg, auf das sich der Name des Vereins „Privilegierte Schüzengesellschaft Saalfeld a. S. 1446 e. V.“ bezieht: Die Schützen mussten keine Bier-steuer entrichten. Die Schützengesellschaft trainiert heute im Vereinsheim Saalfeld-Köditz. Nachdem das Schützenhaus 1843 niedergebrannt war, wurde am selben Ort ein neues errichtet. Nunmehr kann man dort ein Café und Konzerte besuchen.